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Die Kunst des Augenblicks

Kanji Wind auf einer Wasserleinwand als Symbol für Mono no aware und den kreativen Augenblick von Barbara Ossberger

Die Kunst des Augenblicks

Der Wind. Unsichtbar. Spürbar.

Eine ganz besondere Kraft der Natur.

Er bewegt Blüten und Blätter.
Wasser.
Gedanken.

In meinem Atelier schreibe ich das Kanji für „Wind“ auf eine Wasserleinwand.

Ein Übungsweg öffnet sich.

Die Linie erscheint – wie mit Tusche geschrieben.
Für einen Augenblick wirkt sie kraftvoll und lebendig.

Langsam beginnt sie zu verblassen.

Staunend betrachte ich, was geschieht. Stille.

Nicht, weil etwas verloren geht.
Sondern weil ich erleben darf, wie jeder Augenblick seine eigene Schönheit entfaltet.

Auch darin begegnet mir der Gedanke des „Mono no aware“:
das bewusste Wahrnehmen dessen, was sich wandelt.

Die Schrift verblasst. Verschwindet.

Die tiefe Erfahrung bleibt.

Sie begleitet meine Hand.
Sie begleitet meinen Blick.
Sie berührt mein Herz.

Und irgendwann wird aus diesem einen Augenblick ein neues Werk aus Tusche und Farbe.

(bo)